Leck auf Internationaler Raumstation; Astronauten müssen in Kapsel wechseln

Im russischen Teil der Internationalen Raumstation (ISS) gibt es wieder ein Leck, aus dem Luft ins All entweicht. Jetzt mussten die Raumfahrer sogar aus Sicherheitsgründen auf eine kleine SpaceX-Raumkapsel ausweichen. Ergänzung: Einige technische Erklärungen und Hintergründe nachgetragen.

Die ISS ist in die Jahre gekommen

Die Internationalen Raumstation (ISS), deren Aufbau am 20. November 1998 mit dem Start des russischen 'Zara'-Moduls begann, kommt langsam in die Jahre. Ständig plagen Technik-Ausfälle die Betreiber. Ursprünglich sollte die ISS nur bis 2024 in der Umlaufbahn bleiben – ich hatte dies im Beitrag Jubiläum: 20 Jahre internationale Raumstation ISS kurz erwähnt. Nun wird ein Betrieb bis zum Jahr 2030 versucht.

Leck auf ISS

Seit mehr als einem halben Jahrzehnt beobachten Ingenieure von Roskosmos und der NASA die Leckagerate eines kleinen russischen Moduls, das an der Raumstation angebracht ist und zu einem Andockport führt.

Das PrK-Modul ist im Wesentlichen ein Verbindungstunnel, der am "Swerda"-Servicemodul im russischen Teil der Raumstation angebracht ist. Die Ursache dieser Lecks – mikroskopisch kleine Risse in der Struktur – war bisher schwer zu lokalisieren und zu beheben.

Nun stehen die NASA und die Raumfahrer auf der Internationalen Raumstation (ISS) stehen erneut vor dem altbekannten Problem. Im russischen Teil der Station gibt es wieder ein Leck, aus dem Luft ins All entweicht. Ich hatte im Beitrag Die Internationale Raumstation ISS hat wieder ein Leck berichtet.

Reparaturversuch bedingt Umzug

Am gestrigen Freitag ist mir bereits eine Eilmeldung auf X untergekommen, dass die Astronauten der ISS in das angedockte SpaceX Crew Dragon-Raumschiff wechseln musste. Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, falls die Station plötzlich einen Druckabfall wegen eines Lecks erleidet.

Die im Februar 2026 auf der ISS angekommen vier Mitglieder der SpaceX-Crew 12 und der US-Astronaut Chris Williams wurden von der NASA angewiesen, zur Vorsicht sich in das Dragon-Raumschiff zu begeben, da im Verbindungstunnel Reparaturarbeiten zur Abdichtung des Lecks durch russische Kosmonauten durchgeführt würden.

Wie n-tv in diesem Artikel berichtet, hätten die russischen Kosmonauten zwei Leckstellen gefunden und eine Stelle durch Auftragen einer ersten Schicht einer Dichtungsmasse geflickt. Die zweite Leckstelle wird zur Reparatur vorbereitet, wobei die Reparatur verschoben wurde. Die Astronauten konnten wieder aus der Raumkapsel auf die Station zurück wechseln. Derzeit wird der Druck auf der ISS überwacht, in der Hoffnung, dass das Leck nicht plötzlich Probleme bereitet.

Technische Erklärung und Hintergründe

Ergänzung: Hier noch einige technische Erklärungen und Hintergründe von Nicolas Pillet, was genau passiert ist. In nachfolgendem Tweet erklärt er, wo das Leck überhaupt entstanden ist und warum.

Auf dem Foto sieht man das PrK-Modul, was im Wesentlichen ein Verbindungstunnel ist, der am "Swerda"-Servicemodul im russischen Teil der Raumstation angebracht ist. An diesem PrK-Modul docken die Progress-Raumtransporter an.

Jedes Andockmanöver verursacht einen Stoß, der mehr oder weniger stark ist. Das PrK-Modul wurde inzwischen für 66 Andockmanöver genutzt, mehr als jede andere Komponente der ISS.  Aufgrund dieser wiederholten Erschütterungen wurde das PrK seit 26 Jahren erheblichen Belastungen ausgesetzt. Mit der Zeit sind Mikrorisse in der Struktur aufgetreten.

Die russischen Besatzungen der Station haben Dutzende von Stunden damit verbracht, diese Mikrorisse zu lokalisieren, mit mehr oder weniger Erfolg. Die Kosmonauten haben eine spezielle Paste (nennen sich Germetall-1) auf einen Teil der Oberfläche des PrK aufgetragen, um die Risse zu verschließen. Das hat partiell geholfen, aber jetzt gibt es wieder kleine Lecks.

Pro Minute sinkt der Druck um Zehntel mmHg pro Minute. Der Druck wird normalerweise bei etwa 730–750 mmHg gehalten. Wenn man nichts unternimmt und den unteren Schwellenwert von 724 mmHg erreicht, reicht es aus, einen Nachschub mit den Luftreserven eines der beiden Progress-Raumschiffe durchzuführen.

Falls das Leck so groß ist, dass der Druck trotzdem weiterfällt oder die Tanks beider Progress-Raumtransporter leer sind, reicht es aus, die Luke zu schließen.

Das soll aber vermieden werden, da dann der Zugang zum PrK und damit zum Progress-Transporter verloren geht. Das hätte zwar erhebliche betriebliche Konsequenzen für den Betrieb der ISS. Aber unüberwindbare Probleme sind das nicht, da es drei weitere russische Andockplätze gibt.

Bei obigem Ereignis, während die US-Astronauten in die SpaceX-Kapsel mussten, haben die russischen Kosmonauten erneut Germettal-1 auf eine Leckstelle geschmiert und diese abgedichtet. Das zweite Leck ist noch vorhanden. Es war eine Sicherheitsmaßnahme der NASA, ihre Astronauten anzuweisen, im Dragon zu bleiben. Nach zwei Stunden konnten die Astronauten wieder zur ISS zurück.

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